So fing alles an - die Anfänge von 1889 bis zum Ersten Weltkrieg

Die ersten Schritte eines jungen Vereins
Rund 80 Jahre nachdem Friedrich Ludwig Jahn - auch Turnvater Jahn genannt - als Initiator der deutschen Turnbewegung im Jahr 1811 auf der Berliner Hasenheide den ersten öffentlichen Turnplatz eröffnete, fanden sich 1889 auch in Stein mehrere junge Männer zusammen, um einen Turnverein zu gründen.

Die Gründungsversammlung fand am 21. September 1889 im damaligen Gasthaus Weiß, dem späteren Gasthaus „Zur Traube“, statt. Heute befindet sich dort die Heynlinpassage. Friedrich Weiß, der Inhaber des Lokals, wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt.
Als weitere Gründungsmitglieder sind namentlich bekannt:
August Seiter (Protokollführer), Engelhard Seiter (Turnwart), Christian Seiter (Zeugwart). Christian Weinbrecht wurde im Alter von 16 Jahren Vereinsdiener und kassierte die Beiträge.

Auf der von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Kelterwiese entwickelte sich ein reger Turnbetrieb, sozusagen „open air“. Doch die Kelterwiese war bald zu klein und so wurde ein Platz an der Königsbacher Straße (wo sich heute die Kreuzung der Hansenwiesenspange befindet) erworben.

Bereits im Jahre 1890, ein Jahr nach der Gründung, nahm der Verein am Gauturnfest in Dietlingen mit einer Musterriege teil. Auch in den folgenden Jahren wurden mehrere Turnfeste mit wechselndem Erfolg besucht. Das Turnen hatte zu jener Zeit einen etwas militärischen „Schliff“. Dies zeigte sich insbesondere bei den Übungen der Musterriege mit den Stäben und auch anden Geräten. 1892 wurden bei einem Turnfest in Dietlingen Stabübungen vorgeführt und außerdem mit einer Riege am Reck geturnt. Beim Gauturnfest in Brötzingen im Jahre 1894 traten die Steiner Turner mit einer Riege am Barren an.

Im Jahr 1896 nahm das Turnen unter dem damaligen Vorstand Friedrich Karst und dem Turnwart Christian Weinbrecht einen weiteren Aufschwung. So nahmen 1897 16 Turner am Gauturnfest in Weingarten teil und schnitten mitder Note „sehr gut“ ab.


Fortschritt im frühen 20. Jahrhundert
Beim Gauturnfest in Königsbach im Jahr 1901 trat der Verein mit 32 Turnern an, es war die stärkste Riege im damaligen Turngau. Der Turnverein erreichte in der Gesamtwertung den dritten Rang.

Bereits um die Jahrhundertwende gab es erste Überlegungen, eine Turnhalle zu bauen. Doch leider musste der Plan wegen der Zersplitterung des Vereins wieder aufgegeben werden. Denn im Jahr 1901 kam es nach einem Turnfest zu Meinungsverschiedenheitenunter den Mitgliedern und der Verein spaltete sich auf.

1902 wurde dann der Turnerbund als weiterer Verein gegründet. Die Turner des Turnerbundes übten auf dem Platz der alten Ziegelhütte. Vom Wirken des Turnerbundes ist leider kaum etwas bekannt.

In den folgenden Jahren entstand zwischen dem Turnverein und dem neu gegründeten Turnerbund eine gewisse Konkurrenz, die die Turner beider Vereine zu immer höheren Leistungen anspornte. So nahm der Turnverein im Jahr 1906 mit 50 Turnern am Gauturnfest in Ofterdingen teil und stellte eine Musterriege mit 16 Männern. Auch in den folgenden Jahren gab es viele turnerische Aktivitäten.


Die Beginne des Fußballs in Stein
Doch nicht nur das Turnen war sehr beliebt in Stein, sondern auch das Fußballspielen. 1909 wurde daher der 1. Fußballklub Stein gegründet. Die Gründungsversammlung fand im Gasthaus „Zum Sternen“ statt und wurde von L. Adolf Fuchs einberufen.

In der Atmosphäre des Gauturnfestes in Heidelberg im Jahr 1909 kamen sich die Turner des Turnvereins und des Turnerbundes wieder näher und besannen sich sozusagen auf den Wahlspruch „Großes Werk gedeiht nur durch Einigkeit“. So trafen sie sich noch in Heidelberg im Gasthaus „Zum schwarzen Schiff“ zu einem ersten Gespräch über eine „Vereinigung“.


Die Turngesellschaft entsteht
Nach einigen weiteren Gesprächen wurde am 05. Mai 1910 die Vereinigung von Turnerbund und Turnverein vollzogen und es wurde die Turngesellschaft Stein diese Funktion bis 1921 aus. L. Adolf Fuchs war wie die meisten Gründungsmitglieder des 1. Fußballklubs Stein auch in beiden Turnvereinen bzw. nun der Turngesellschaft tätig. So lag es nahe, dass der 1. Fußballklub Stein
der Turngesellschaft Stein beitrat und als eigene Abteilung den Fußballsport betrieb.

Erneut wurde nun überlegt, eine Turnhalle zu bauen, um während der Wintermonate besser trainieren zu können, denn im Saal des Gasthauses „Zur Krone“ standen nur beengte Möglichkeiten zur Verfügung. Doch der erste Weltkrieg vereitelte die weiteren Baupläne.

1911 gab sich die Turngesellschaft Stein eine neue Satzung.
In § 1 der Satzung der Turngesellschaft Stein aus dem Jahre 1911 sind die hohen ideellen Wertvorstellungen des Vereins niedergeschrieben:
„§ 1: Zweck des Vereins Die Turngesellschaft ist ein Verein von Männern
und Jünglingen jeden Standes, welcher den Zweck hat, durch Übung den Körper kräftig und ausdauernd zu machen, einen reinen deutschen Sinn und Reinheit der Sitten zu erstreben, zu bewahren und zu verbreiten.“


Die weiteren Paragraphen, die die Eintrittsbedingungen, das Verhalten der Turner und Zöglinge sowie die Pflichten der Mitglieder bestimmen, legen ebenfalls besonderen Wert auf Zucht und Ordnung, ehrenhaften Lebenswandel und gegenseitige Freundschaftspflege. Frauen waren nach dieser Satzung damals noch nicht zugelassen.

Doch obwohl die Satzung damals nur "Jünglinge" als Mitglieder vorsah, war die Turngesellschaft Stein seit jeher für Frauen offen. Auf alten Bildern, insbesondere um 1920, sind schon Mädchen und Frauen in Turnkleidung zu sehen. Sie turnten damals noch kaum an Geräten. Sie zeigten Keulenübungen und sogenannte Tanzreigen und bei den Vorführungen trugen sie meistens
weiße Kleider.

1911 wurde auch der ehemalige Turnplatz an der Friedenstraße (Flurstück Nr. 4214), eine Wiese mit 37 ar, für 1.300 Mark von dem Korbmacher Karl Panier erworben. Der Platz diente bis zum Jahre 1919 als Turnplatz. Zwischenzeitlich wurden noch weitere kleinere Grundstücke dazu gekauft oder getauscht, bis der Turnplatz als Baugelände erschlossen wurde. Im Jahre 1919 erfolgte dann ein Grundstückstausch mit der Gemeinde: Im Tausch für den bisherigen Turnplatz erhielt der Verein im heutigen Sportplatzbereich für 3.500 Mark Aufgeld eine Wiese mit 60 ar.

Die Zeit des Ersten und Zweiten Weltkrieges

Schwierige Zeiten nach einem verhängnisvollen Krieg
Der Erste Weltkrieg forderte erhebliche Verluste unter den jungen Vereinsmitgliedern, viele kehrten nicht mehr zurück.

Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich die Turngesellschaft weiter und der Turnbetrieb wurde verstärkt.

Obwohl die gesamtwirtschaftlichen Zustände in Deutschland nach dem Kriege äußerst schlecht waren, ging man nun mit neuer Energie an den Plan, eine Turnhalle zu bauen. Ein Kostenvoranschlag, erstellt von Zimmermeister Leopold Morlock auf der Grundlage der Einheitspreise von 1913 zuzüglich einer Verteuerung von 20 %, ergab einen Baupreis von 25.723,-- Mark.


Die Turnhalle - das neue Zuhause der Turnabteilung
Im August 1924 wurden die Baupläne für die Halle eingereicht und durch Baubescheid des Bezirksamtes Pforzheim vom 23. Oktober 1924 genehmigt. Planer und verantwortlicher Bauleiter war der Zimmermeister Leopold Morlock. Der Bau erfolgte dann im Jahre 1925.

Zahlen und Fakten zum Bau der Halle:

Im Januar und Februar 1925 wurden im Steinbruch Schalkenberg 150 m3 Steine für das Fundament und das Sockelmauerwerk gebrochen. Hierzu hatte vorab das Forstamt Bretten die Genehmigung erteilt und erhielt je m3 Bruchstein einen Betrag von 0,50 Mark. Auf die Ausschreibung für das Brechen der Steine waren Angebote zwischen 3,20 bis 4,50 Mark/m3 eingegangen. Den Zuschlag hatte der Maurer Wilhelm Kopp erhalten. Der Fuhrunternehmer Adolf Morlock übernahm den Transport für 2,30 Mark/m3.

Beim Bau der Turnhalle wurden über 90 m3 an Bauholz, Latten und Brettern verarbeitet. Der Bauholzpreis lag damals bei 70 Mark/m3, geliefert frei Baustelle. Den größten Teil des Holzes (47 m3) lieferte vom 11. bis 30. Juli 1925 die Firma E. Buck von der Grenzsägemühle in Gräfenhausen.

Die Firma August Schumann lieferte 20.000 Backsteine, hiervon 5.000 Stück gratis, den Rest zu 43 Mark/1.000 Stck. Am 04.05.1925 wurde an die Firma zudem der Auftrag über 10.000 Stück Doppelfalzziegel der Qualität Ia zu einem Preis von 150,- Mark/1.000 Stck. vergeben. Die Glaserarbeiten übernahm die Firma Anton Wolf aus Ersingen zu einem Preis von 16 Mark/m2.

Der Baufortschritt lässt sich aus den zum Teil noch vorhandenen Lohnlisten erkennen. So wurden im August 1925 Maurerlöhne und Zimmererlöhne ausbezahlt und vom 05. bis 08. September Löhne für das Dacheinlatten. Die Rohbau-Meldung zur Bauabnahme ging am 09.11.1925 an das Bezirksamt.


Da man unter allen Umständen bereits an Weihnachten 1925 eine Abendunterhaltung in der Halle abhalten wollte, wurde mit Hochdruck am Bau gearbeitet. Teilweise wurde auch noch bis spät abends bei Licht und auch sonntags gearbeitet. Doch dann stellte die Gendarmerie die Sonntagsarbeit ein und belegte einige Mitglieder wegen Störung der Sonntagsruhe mit einer Strafe.

Aufgrund der erheblichen finanziellen Schwierigkeiten in dieser Zeit versuchte die damalige Verwaltung Geld zu erhalten von Banken, Brauereien und Lieferanten, aber auch von Privatleuten und sogar von Landsleuten in den USA. Hierzu wurden Anteilscheine verkauft, die ursprünglich wieder eingelöst werden sollten. Doch durch die politischen Wirren in den folgenden Jahren war dies nicht mehr möglich.

Durch den Bau der Turnhalle erlebte der Turnbetrieb einen ungeheuren Aufschwung. Die Halle wurde vielfältig genutzt, nicht nur als Sportstätte für die Turner, sondern auch als Veranstaltungsort für kulturelle Veranstaltungen. Die Abendunterhaltungen der Vereine waren hierbei besondere Höhepunkte.


Politische Bewegungen erschweren das Vereinsleben
Doch diese Blütezeit sollte von nicht allzu langer Dauer sein. Die politischen und gesellschaftlichen Konstellationen der 30er Jahre wurden den Turnern der TG zum Verhängnis. Die Turngesellschaft war der Arbeitersportbewegung beigetreten und dadurch politisch festgelegt. Im Jahr 1932 fanden sich junge Männer anderer politischer Strömungen zusammen und gründeten den deutschen Turnverein, der anfangs wiederum im Saal des Gasthauses "Zur Krone" turnte.

Der politische Umschwung im Jahr 1933 erwies sich für die Turngesellschaft als sehr verhängnisvoll. Aufgrund der Gesetze vom 26. Mai 1933 und 14. Juli 1933 und der Badischen Verordnung vom 28. Juli 1933 wurde der Verein aufgelöst. Der Auflösungsbeschluss wurde der Gemeindeverwaltung am 08. Juni 1936 mitgeteilt. Mit diesem Erlass wurde auch das gesamte Vereinsvermögen beschlagnahmt und zugunsten des Landes Baden eingezogen.

In der darauf folgenden Zeit ruhte das turnerische Leben in Stein aber nicht ganz. Eine der Deutschen Turnerschaft angeschlossene Gruppe junger Leute nutzte die Halle. In diesem Verein und auch im nachfolgenden Verein VFL wurde insbesondere Fußball gespielt, bis jedoch dann schließlich der Zweite Weltkrieg den gesamten Sportbetrieb lahmlegte.

Hoffnungsvoller Wiederbeginn - die Zeit von 1946 - 1951

Schwieriger Aufbau nach dem Zweiten Weltkrieg
Im Jahr 1946 wurde zunächst in loser Form wieder Fußball gespielt und Anfang 1947 wurde der 1. Fußballklub 1947 gegründet. Aus heutiger Sicht lässt sich nicht mehr nachvollziehen, warum verdiente Mitglieder, die bis 1933 Förderer des Fußballsports innerhalb der TG Stein waren, dann noch vor dem Wiederaufleben der TG den 1. Fußballklub Stein 1947 gründeten. Der Spielbetrieb wurde auf dem heutigen Sportplatz, der 1945 während der letzten Kriegstage durch Bombeneinschläge stark beschädigt worden war, weitergeführt.

Am 03. April 1947 berief der ehemalige Vorsitzende Heinrich Würz mit Genehmigung des Landrates eine Versammlung ein, um die Turngesellschaft Stein wieder aufleben zu lassen. August Hanser wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Die Turnhalle und der Sportplatz wurden dem Verein zurückgegeben. Erst viel später, im Jahr 1955, wurde dem Verein nach langwierigen Verhandlungen für das fehlende Mobiliar ein Betrag in Höhe von 4.110 DM vom Finanzministerium in Stuttgart erstattet. Wichtige Unterlagen sind jedoch verloren gegangen.


Der Wiederaufbau beginnt
Die Zeit des Wiederaufbaus war nicht einfach. Die Turnhalle war in einem desolaten Zustand, die Westseite war sogar durch die auf dem Sportplatz niedergegangenen Bomben verschoben. Im Sommer 1949 wurde hier eine neue verstärkte Wand eingezogen. Um Geld für die erforderlichen weiteren Reparaturen zu erhalten, wurden schon bald wieder Tanzveranstaltungen durchgeführt. Auch die traditionellen Abendunterhaltungen fanden bei der Bevölkerung wieder großen Anklang.

Auch das Turnen wurde wieder mit Begeisterung aufgenommen. Die Impulse kamen von einer Gruppe älterer Turner, denen sich bald einige jüngere Personen anschlossen. In den Nachkriegsjahren traten auch Frauen dem Verein bei. Sie widmeten sich hauptsächlich leichtathletischen und turnerischen Disziplinen. Der Kontakt zu Vereinen der näheren Umgebung wurde wieder aufgenommen und man nahm an verschiedenen Gauveranstaltungen teil. Hierbei waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch sehr erfolgreich. Gemeinsame Ausflüge in die nähere Umgebung boten Abwechslung in den kargen Nachkriegsjahren.


Neuordnung des Vereins
Auf Wunsch des 1. FC Stein wurde in der ordentlichen Hauptversammlung der TG Stein am 21. Januar 1951 einstimmig beschlossen, den bisher eigenständigen Verein als Fußballabteilung an die TG Stein anzuschließen. Die Einzelheiten hierzu wurden von den beiden Verwaltungen festgelegt.

Die Verwaltung der TG Stein bestand damals aus den folgenden Mitgliedern:
1. Vorstand: August Hanser
2. Vorstand: Karl Weinbrecht
Schriftführer: Willi Klotz
Kassierer: Emil Weinbrecht
Beisitzer: Wilhelm Eberle
1. Turnwart: Heinrich Hottinger
2. Turnwart: Herbert Nagel
Frauenturnwart: Rudolf Seiter
Leichtathletikwart: Kurt Schleicher
Schülerturnwart: Siegfried Keller und Hugo Schuster
Schülerturnwartin: Emma Keller und Marianne Reinhardt

Die Fußballabteilung hatte nach dem Anschluss an die TG folgende Verwaltung:
Spielleiter, mit Sitz und Stimme in der Hauptverwaltung: Eugen Kunzmann
Stellvertreter: Wilhelm Kopp
Kassierer: Julius Seiter
Schriftführer: Siegfried Keller
Beisitzer: Hans Wacker und Hermann Kopp
Jugendleiter: Franz Rieger

Zwei Abteilungen auf einem gemeinsamen Weg

Eine neue Heimat für die Fußballer
1952
wurde für die Fußballabteilung der untere Duschraum mit Warmwasserbereitung eingerichtet. Gastvereine mussten jedoch noch weiterhin zum Umkleiden ins Vereinslokal "Zum Löwen". Erst 1966 wurde ein zweiter Umkleideraum ausgebaut. 1956 wurde die gesamte Halle innen renoviert, 1959 folgte eine Luftheizung für die Halle mit Warmwasserversorgung für die Dusche.

Der Wunsch der Fußballabteilung nach einem Clubhaus führte zu größeren Umbauarbeiten. Im Jahre 1968 begannen die Planungen hierzu. Durch den Anbau eines Clubhauses wollte man im Bedarfsfall auch die Turnhalle erweitern können, die Bewirtschaftung sollte von der neuen Küche und der Theke aus erfolgen und die Toiletten sollten erneuert werden. Weiter wollte man einen geschützteren Haupteingang mit Windfang und Garderobe schaffen und eine Abstellmöglichkeit für die Bestuhlung erhalten. Deswegen musste in der Halle der Aufgang zur Empore neu gestaltet und ein Zugang zu den Duschräumen geschaffen werden. Bei der Hauptversammlung am 19. April 1969 wurden die Pläne erläutert und die Versammlung erteilte hierzu ihre volle Zustimmung.

Der Plan wurde am 02. Juni 1969 genehmigt. Schon Ende Juni wurde mit dem Bau begonnen. Die Baufirma Hottinger erstellte zügig den Rohbau. Die Dachbinder wurden als Nagelbinder ausgeführt und unter der Aufsicht von Zimmermeister Leopold Morlock auf dessen Zimmerplatz von Vereinsmitgliedern in Eigenarbeit gefertigt. Hierbei wurden über 60 kg Nägel verarbeitet. Ebenfalls in Eigenarbeit wurde das Dach gedeckt und verschiedene Innenausbauarbeiten wurden selbst durchgeführt.

Bereits an Kirchweih 1969 konnten das neue Clubhaus, die Küche und die Theke sowie die neuen Toiletten benutzt werden. Die offizielle Einweihung fand jedoch erst nach Fertigstellung der Dusch- und Umkleideräume am 4. Juni 1971 statt.

Die Umbausumme betrug insgesamt 160.000 DM ohne Parkplätze. Fleißige Vereinsmitglieder leisteten stolze 4.366 Stunden Eigenarbeit.


Ausbauten, Umbauten, Renovierungen standen an
In den folgenden Jahren wurden weitere Arbeiten an der Halle und am Sportplatz durchgeführt: Eine Massivdecke wurde über der Hallenheizung ausgeführt, die gesamte Halle außen renoviert, der Sportplatz drainiert, ein weiterer Umkleide und Duschraum eingebaut und eine neue Barriere um den Sportplatz erstellt. Zu den größeren Vorhaben erhielt die TG Zuschüsse vom Badischen Sportbund. Für die Befestigung der Parkplätze erhielt der Verein einen Zuschuss von der Gemeinde.

Ende der 60-er und Anfang der 70-er Jahre fanden in der Turn- und Festhalle noch regelmäßig Tanzveranstaltungen statt, wovon auch andere örtliche Vereine profitierten. Dies war jedoch aufgrund der in den 80-er Jahren zwar notwendigen, aber aus finanziellen Gründen unterlassenen Innensanierung der Halle nicht mehr so ohne weiteres möglich. Zudem verloren die Veranstaltungen
nach und nach an Attraktivität. An ihre Stelle traten die Fußballortsturniere, einige Waldfeste im Rittenhardt und die Dorffeste als Veranstaltung der örtlichen Vereine.

1981 wurde der Trainingsplatz unterhalb des Sportplatzes mit einer Drainage und einer Flutlichtanlage versehen, um ihn von den vielen Jugend-, Aktiven- und Freizeitmannschaften besser nutzen zu können. Jedoch schon bald stellte sich der Platz als zu klein heraus. Außerdem genügte er den Anforderungen eines Allwetterplatzes nicht. Die Situation war der Gemeinde Königsbach-Stein bekannt und so wurde der Gedanke weiterverfolgt, zwischen dem bestehenden Sportplatz und dem Gewerbegebiet einen gemeindeeigenen Trainingsplatz zu bauen.


Die TG Stein und ihre sportliche Vielfalt
Ab den 80-er Jahren erlebte die Sparte Leichtathletik enormen Aufschwung. Immer mehr Kinder und Jugendliche fanden Spaß an dieser Sportart. Ab 1982 kooperierten die Heynlinschule und die TG Stein im Bereich der Leichtathletik. Mit dem Bau der Sportanlage Plötzer im Ortsteil Königsbach im Jahr 1984 wurden optimale Trainings-und Wettkampfbedingungen geschaffen. Die sportlichen Erfolge stellten sich ein. 1987 gründeten die TG Stein und der TV Eisingen die Leichtathletik-Gemeinschaft LG Stein-Eisingen.

Nahezu zeitgleich entwickelte sich der Volleyballsport. Mehrere Damen-, Herren- und Jugendmannschaften nahmen ab Herbst 1980 an Ligaspielen auf Landes- und Kreisebene teil. Bedauerlicherweise fand diese Sportart nur knapp 15 Jahre lang Zuspruch. Zu Beginn der 80-er Jahre tat sich noch einiges mehr im sportlichen Bereich: Der Gesundheitssport, aus der heutigen Angebotspalette nicht mehr wegzudenken, wurde etabliert. Funktionelle Gymnastik wurde angeboten, die Frauenseniorengruppe wurde gegründet, die Gruppe „Er und Sie“, anfangs als Reha-Gruppe geplant, entstand, und das Wandern ist seither fester Bestandteil des Sportangebotes. Auch Laufen war von da an „in“.

Die Neuorganisation des Vereins

Der Verein organisiert sich neu
Bei der Generalversammlung 1987 konnte kein erster Vorsitzender gefunden werden, was den Gedanken an organisatorische Veränderungen reifen ließ. Eine außerordentliche Generalversammlung musste einberufen werden. Dabei wurde mit Mehrheit beschlossen, die beiden großen Abteilungen des Vereins, Turnen und Fußball, zu verselbständigen. Für die finanziellen Aufwendungen sollte jede Abteilung künftig selbst aufkommen. Jede Abteilung erhielt eine eigene Verwaltung und die Verantwortlichkeiten wurden aufgeteilt. Die Abteilung Turnen unterhält seither die Turn- und Festhalle, die Abteilung Fußball ist verantwortlich für den Sportplatz und das Clubhaus. Damit war eine  aufwändige Vermögenstrennung verbunden. Eine Hauptverwaltung, bestehend aus dem ersten und zweiten Vorsitzenden, den beiden Abteilungsvorständen, dem Hauptkassier und dem Schriftführer, wurde gebildet. Die Abteilungen führen seither je nach Bedarf getrennte Veranstaltungen durch, ebenso werden im beiderseitigen Einvernehmen auch gemeinsame Veranstaltungen organisiert.

Die Generalversammlung 1988 hatte beschlossen, vereinseigenes Gelände für den dringend benötigten Trainingsplatz an die Gemeinde abzutreten. Die Gemeinde Königsbach-Stein legte 1989 den Tennenplatz unterhalb des bestehenden Rasenplatzes an und stellte das neue Spielfeld für den Trainings- und Spielbetrieb zur Verfügung. Das Jahr 1989 stand ganz im Zeichen der Veranstaltungen zum 100-jährigen Jubiläum des Vereins. Die Festlichkeiten mit ihren vielen Höhepunkten sind den älteren Vereinsmitgliedern noch in guter Erinnerung.

Nachdem Hugo Schuster das Vereinsschiff 20 Jahre auf Kurs gehalten hatte, schied er 1990 aus diesem Amt aus. Hugo Schuster prägte die TG Stein in herausragender Weise. In den 50-er Jahren Turnwart, wurde er 1966 zum zweiten Vorsitzenden gewählt und war ab 1970 als erster Vorsitzender für die Geschicke des Vereins verantwortlich. Unter seiner Führung wurde das Clubhaus gebaut. Mit seiner ausgleichenden Art und seinem vermittelnden Wesen gelang es ihm, unterschiedliche Interessen der beiden Abteilungen auszugleichen, darüber hinaus war er bestrebt, andere Sportarten wie Volleyball, Leichtathletik und Jedermannsportgruppen in den Verein zu integrieren. Seine letzte große Aktion an der Vereinsspitze war die Organisation des 100-jährigen Jubiläums. Bei seiner Verabschiedung wurde er mit der Goldenen Verdienstplakette des Badischen Turnerbundes ausgezeichnet. Hugo Schuster ist seit 1990 Ehrenvorsitzender und steht auf diese Weise dem Verein bis heute mit Rat und Tat zur Seite. Zu seinem Nachfolger wurde 1991 Walter Elsässer gewählt.

1991 wurde der Förderverein der TG Stein e.V. ins Leben gerufen. Zweck des Vereins ist die Förderung des Spiel- und Trainingsbetriebes des Hauptvereins.

Für den Betrieb des Clubhauses, das ab den 80-er Jahren an mehrere Pächter nacheinander verpachtet war, konnte ab 1994 kein Interessent mehr gefunden werden. So beschloss die Hauptverwaltung einen eingeschränkten Wirtschaftsbetrieb in Eigenregie.


Fitness steht im Vordergrund
Fitness und Gesundheit gewannen Mitte der 90-er Jahre einen immer höheren Stellenwert: Die Aerobic-Gruppe wurde gegründet. Zur gleichen Zeit macht sich die erste Walking-Gruppe auf den Weg durch das Gengenbachtal.

Die Turnhalle erstrahlt in neuem Glanz

Die Heimat der Turner wird modernisiert
Die inzwischen mehr als 70 Jahre alte Halle genügte nicht mehr dem Anspruch einer Fest- und Veranstaltungshalle. Die sanitären Einrichtungen, das Mobiliar, Bühnen-, Licht- und Tontechnik sowie die Heizungs- und Energietechnik waren veraltet, Geräteräume und Umkleidemöglichkeiten reichten nicht mehr aus. Eine behindertengerechte Ausstattung fehlte. Es war klar, dass wenn die Turnhalle weiterhin für Veranstaltungen dienen sollte, Investitionen anstehen würden, die weit über die Möglichkeiten des Vereins hinausgehen würden. Zugleich war man sich im Verein einig, dass die Halle im Vereinseigentum bleiben müsse.

Nach Plänen von Richard Morlock und dessen Sohn Frank, Sohn und Enkel des einstigen Planers der Halle, wurde die Turnhalle in ihren heutigen Zustand gebracht. Zu den augenfälligsten Ergebnissen der Umbaumaßnahmen gehört die Neugestaltung des Eingangsbereiches, der heute auf Gehweghöhe liegt, mit Neubau der Eingangstreppe und barrierefreiem Zugang. Im Untergeschoss wurden Toiletten und eine großzügige Garderobe installiert. Zur Siedlungstraße hin wurden die Glasbausteine durch Schallschutzfenster ersetzt. Eine neue Beleuchtung und eine neue Farbgebung, die sich an der ursprünglichen Farbgestaltung orientiert, versetzen die Halle in neuen Glanz. Neue Tische und gepolsterte Stühle tragen zu einer angenehmen Atmosphäre bei. Eine um 10 Quadratmeter vergrößerte Bühne bietet seither weitere Möglichkeiten bei Veranstaltungen. Im Keller entstanden zusätzliche Lagerräume. Für letztere musste das Untergeschoss mühsam in Handarbeit ausgegraben werden, was auch Verbesserungen in statischer Hinsicht bedingte. Außerdem wurde die Halle energie- und lüftungstechnisch optimiert.

Von Vereinsseite wurde der alte Anbau an der Südseite aus den 50-er Jahren abgebrochen. Dort errichtete die Abteilung Turnen Geräte-, Sanitär- und Umkleideräume sowie ein Sitzungszimmer mit einer Gesamt-Nutzfläche auf zwei Etagen. Seitlich an die Halle anschließend baute die Abteilung Fußball einen großen Geräte- und Verkaufsraum mit einem darüber liegenden Nutzraum an.

Die Umbauarbeiten koordinierte ein bauzeitbegleitender Ausschuss, dem Bürgermeister Bernd Kielburger, Gemeinderäte, Vertreter der  Gemeindeverwaltung, Planer und Bauleiter Richard Morlock und Verantwortliche des Vereins angehörten.

Für die Kosten der Renovierung kam in weiten Teilen die Gemeinde auf. Die Kosten der Hallenan- und -umbauten trug der Verein. Der Badische Sportbund gab einen Zuschuss.

Während der Bauphase von Fasching 1997 bis Anfang 1998 war kein Sportbetrieb in der Halle möglich, die gewohnten Veranstaltungen konnten nicht statt finden. Für die in Eigenregie übernommenen Baumaßnahmen leisteten Vereinsmitglieder unzählige Arbeitsstunden.

Im Mai 1998 war es dann soweit: Zusammen mit der Gemeinde wurde die Einweihung der von Grund auf modernisierten Halle mit einem Festakt gefeiert. An einem Tag der offenen Tür konnte sich auch die Öffentlichkeit ein Bild machen von der neu gestalteten Halle, die auch weiterhin der Gemeinde und Steiner Vereinen für Veranstaltungen und kulturelle Zwecke zur Verfügung steht.

Der Verein im neuen Jahrtausend

Willkommen im 21. Jahrhundert
Am Festumzug zum 900-jährigen Bestehen des Ortes nahm die TG Stein mit mehreren Gruppen teil. Mit einem authentischen Erntefuhrwerk, Steiner Waschweibern, einer Eichenlaubriege der Turner, einer Darstellung von Olympischen Leichtathletik-Disziplinen anno dazumal und Fußball- und Turnerjugendmannschaften wirkte der Verein bei dieser denkwürdigen Veranstaltung der Gemeinde im Jahr 2000 mit.


Abschied von Walter Elsässer und aufbau einer Doppelspitze
Das Jahr 2000 war für den Verein mit einem traurigen Ereignis verbunden, hatten die Mitglieder doch den plötzlichen Tod ihres ersten Vorsitzenden Walter Elsässer zu beklagen. Walter Elsässer hatte in über 30-jähriger Zugehörigkeit zur Vereinsverwaltung und in knapp 10-jähriger Funktion als Vorsitzender in erheblichem Maße das Vereinsleben geprägt und dessen Entwicklung maßgeblich mitgestaltet. In seine Amtszeit fielen der Bau des Tennenplatzes unterhalb des Sportplatzes und der erst zwei Jahre zuvor abgeschlossene Umbau der Turnhalle. Seine fachliche Kompetenz war überaus geschätzt. Bei der Vorbereitung von Veranstaltungen war er Motor und Organisator, immer die finanzielle Seite im Blick habend.

Walter Elsässer hatte nicht nur eine Lücke im Verein hinterlassen. Die Neubesetzung des Amtes des Vereinsvorsitzenden bereitete Schwierigkeiten. Eine Lösung zeichnete sich erst bei der Generalversammlung im Jahr 2001 ab. Mit Harald Hanser und Theo Laumann konnte ein Duo gefunden werden, das sich gemeinsam für den Verein verantwortlich zeichnete. Der Verein hat seither zwei Vorsitzende, die den Verein gleichberechtigt nach außen vertreten. Im Innenverhältnis ist jeder der beiden Vorstandsmitglieder nur für seinen Verantwortungsbereich vertretungsberechtigt. Für die Neuordnung der Vereinsführung musste die Satzung geändert werden.


Der Verein geht mit der Zeit!
Die TG Stein ist online! Unter www.tgstein.de sind seit 2006 Neuigkeiten zum Vereinsgeschehen, Termine, Sportangebote, Ansprechpartner und vieles mehr stets aktuell zu finden. Manuel Roser startete 2002 die Internetpräsenz mit einer Seite für die Fußballjugend, die Seiten für die Abteilung Fußball und für den Gesamtverein folgten nach und nach in Zusammenarbeit mit Christian Ketterer und Peter Ketterer.

Nach der großen Hallenrenovierung stand die schrittweise Renovierung des Clubhauses an. Neue Tische und Stühle wurden angeschafft. Eine neue Theke mit Zapfanlage folgte 2006. Mit der Renovierung der Außenfassade erhielt die Turnhalle im Jahr 2007 ein neues Erscheinungsbild.

„Fußball baut soziale Brücken“ – mit diesen Worten wurde die Aufbauleistung im Jugendbereich der Abteilung Fußball gewürdigt, als diese im Jahr 2009 ihr 100-jähriges Bestehen feierte.

Den „Schmotzigen Donnerstag“, die Faschingsveranstaltung, die in früheren Jahren viele Gäste anlockte, gibt es seit 2012 nicht mehr. Stattdessen
findet einmal im Jahr eine Ü-30-Party statt. “O’ zapft is“ heißt es neuerdings, wenn die Fußballabteilung am Kirwewochenende zum Oktoberfest einlädt.


Gesundheit und Fitness im Alter
Seit dem Jahr 2013 baut die Abteilung Turnen den Bereich der  Gesundheitsförderung weiter aus, nachdem der Verein bereits in den Jahren 1999 und 2001 das Zertifikat „Pluspunkt Gesundheit“ für gesundheitsfördernde Angebote vom Badischen Sportbund erhalten hatte. In Zeiten des demografischen Wandels, des Bewegungsmangels und zunehmender Zivilisationskrankheiten wird eine gezielte Bewegungsförderung immer wichtiger. Dies gilt nicht nur für den Erwachsenen-, sondern auch für den Kinderbereich. Seit Oktober 2013 bestehen Kooperationen mit dem Evangelischen Kindergarten Storchennest und der Heynlin-Kindertagesstätte. Dabei wird das vom Badischen Sportbund geförderte Programm mit dem Namen „PFiFF“ von je einer Erzieherin und einer Übungsleiterin des Vereins umgesetzt. Neben der regelmäßigen Bewegung wird in dieser Sportstunde, die direkt im Kindergarten stattfindet, spielerisch die Selbstregulation der Kinder gefördert. Als erste im Verein hauptamtlich tätige Kursleiterin nimmt Vanessa Striebing, Turnerin und langjährige Übungsleiterin im Kinderturnen, die Aufgaben im Bereich der Gesundheitsförderung wahr.

2014 - das Jubiläumsjahr
Was ab jetzt geschieht, darüber kann heute noch nicht berichtet werden. Es soll ein Jahr mit vielen Höhepunkten werden, ganz nach dem Motto:„125 Jahre TG Stein –Sport gemeinsam erleben!“.

Zu ihrem 125-jährigen Jubiläum kann die TG Stein auf eine bewegte Vereinsgeschichte zurückblicken. In den letzten Jahrzehnten haben sich die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend gewandelt: Geblieben ist das Bedürfnis der Menschen, sich gemeinsam sportlich und spielerisch zu betätigen und die Geselligkeit zu pflegen - geändert haben sich die Betätigungswünsche unserer "Freizeitgesellschaft".

Die TG Stein ist mit ihren vielfältigen Angeboten am Puls der Zeit und spricht alle an: Jung und Alt, Männer und Frauen, Familien und Singles… also alle Sportbegeisterten!Um die Zukunft des Vereins braucht man sich daher nicht zu sorgen, wenn immer genügend Menschen bereit sind, sich in den unterschiedlichsten Aufgaben zu engagieren und sich zum Wohle der TG Stein einzusetzen!