TG Stein e.V.

Richtig geniale familiäre Atmosphäre

Am 06.01.2019 in der Kategorie Turnen-Gymnastik-mehr

Steiner Leistungsturnerinnen trainieren mit „Ninja Warrior Germany“-Finalist Dennis Leiber

Dienstagabend, kurz nach sieben: Laute Musik dröhnt durch die Steiner Turnhalle. Zwei Schwebebalken stehen mitten im Raum. Ein Barren ist aufgebaut und eine Tumbling-Bahn fürs Bodenturnen. Auf der Bühne stehen Pauschenpferd und Stufenbarren. Knapp 20 Mädchen und junge Frauen wärmen sich auf, machen Gymnastik, dehnen sich. Dann begeben sich die Leistungsturnerinnen der Steiner Turngesellschaft zu den Geräten. Romy steuert den Schwebebalken an. Auf ihm übt die 15-Jährige einen Standspagat. „Das ist Teil meiner Wettkampfübung“, erklärt die Schülerin, als sie ihr Training kurz unterbricht. Seit dem dritten Lebensjahr turnt sie bereits bei der TG Stein. „Mir macht das voll viel Spaß“, sagt sie und kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. Nach kurzer Pause fährt sie fort: Turnen sei ein Sport für den ganzen Körper. „Man muss sich dabei auf jedes Körperteil konzentrieren und immer voll bei der Sache sein.“ Dann schwingt sie sich wieder auf den Schwebebalken und turnt darauf ein Rad.


Ein paar Meter weiter hängt Carina konzentriert am Stufenbarren und macht sich daran, ihrer Übung Nummer den letzten Schliff zu geben. „Turnen ist deutlich vielseitiger als andere Sportarten“, sagt die 17-Jährige in einer kurzen Verschnaufpause. Auf Kraft komme es an, auf Dehnfähigkeit, Koordination, Ausdauer, auf die richtige Technik – und auf eine gesunde Portion Ehrgeiz. „Man hat schon den Anspruch, sich ständig zu verbessern“, meint Carina grinsend und ist mit dieser Ansicht in der Steiner Turnhalle nicht allein. Auch Marie-Jo sieht das so. „Man will zeigen, was man kann und man versucht, sich immer zu steigern“, sagt das Mädchen, das mit seinen zwölf Jahren das jüngste Mitglied der Leistungsturnerinnen ist. Im Training strengt sie sich an, versucht eine Übung immer und immer wieder, bis es endlich klappt. „Wirklich erleichtert und glücklich“ fühle sie sich dann, erzählt Marie-Jo. Erst recht, wenn ihre Kolleginnen sich mit ihr freuen. Denn Zusammenhalt steht für die Leistungsturnerinnen an erster Stelle. Neid hat keinen Platz in der Steiner Turnhalle.


Dort hat inzwischen Sarah Romys Platz auf dem Schwebebalken eingenommen. Für die 20-Jährige ist Turnen ein schöner Ausgleich zum Alltag. „Hier bekomme ich den Kopf frei.“ Ihr gefällt es, sich selbst neue Herausforderungen zu suchen und so lange zu trainieren, bis es klappt. Außerdem sei die Gemeinschaft bei der TG Stein einfach klasse. „Ich würde den Verein niemals wechseln“, sagt sie mit ernstem Tonfall und steigt wieder auf den Schwebebalken. Nebenan landet Dennis Leiber nach einem gestreckten Salto krachend im Stand auf der Tumbling-Bahn. Der 20-Jährige sticht aus der Masse heraus. Nicht nur, weil er der einzige Mann in der Steiner Turnhalle ist. Sondern auch, weil er schon ein paar Mal im Fernsehen war: Bei „Ninja Warrior Germany“ und bei „Big Bounce“ stand er sogar schon im Finale. Für beide Sendungen trainierte er in der Steiner Turnhalle mit den Leistungsturnerinnen. „Ich habe hier beim Mädelsturnen ganz neue Elemente kennengelernt und meine Haltung verbessert“, sagt der 20-Jährige, der eigentlich aus dem mehr als 100 Kilometer entfernten Steinheim kommt.


Dass er seit einem guten Jahr in Stein turnt, hängt mit seinem Lehramtsstudium zusammen, das er in Karlsruhe absolviert. Bevor er nämlich in der Fächerstadt eine Wohnung fand, kam er vorrübergehend bei Romys Eltern unter. Die nahm ihn einmal spontan mit ins Training. Dort hatte er so viel Spaß, dass er von seiner inzwischen gefundenen Wohnung aus immer noch jede Woche 45 Minuten nach Stein zum Training fährt. „Ich finde, hier herrscht eine richtig geniale familiäre Atmosphäre“, sagt er und spricht damit etwas an, das für Kerstin und Dagmar Rohatsch an erster Stelle steht. Mit Blick auf Wettkämpfe wolle man zwar stetig die Leistung verbessern, aber in erster Linie komme es auf die Gemeinschaft und einen fairen Umgang an, sagen die beiden Schwestern, die das Leistungsturnen schon seit vielen Jahren zusammen mit Vanessa Balzer und Manuela Kaucher leiten. „Wir wollen den Kindern Stärke und Selbstbewusstsein vermitteln, sie in ihrer Entwicklung begleiten.“ Denn viele ihrer Turnerinnen kennen die beiden Schwestern schon, seit sie laufen können. Eine lockere Atmosphäre ist ihnen wichtig. „Wir möchten zwar schon den Ehrgeiz der Mädchen wecken, aber keinen Druck ausüben.“ – Text und Fotos: Nico Roller