101 Jahre voller Sport und Geselligkeit
Wenn die Wände der Steiner Turn- und Festhalle sprechen könnten, hätten sie viel zu erzählen. Denn das markante Gebäude wird 101 Jahre alt. Ihr Besitzer, die TG Stein, organisiert dazu ein großes Fest.
Sobald der Nachmittag anbricht, kommen die Menschen aus allen Himmelsrichtungen: zu Fuß, mit dem Fahrrad und dem Auto. Kinder, Jugendliche und Erwachsene treffen sich in der Steiner Turn- und Festhalle, um Sport zu treiben, Gemeinschaft zu erleben und fit zu bleiben. Seit 101 Jahren steht das markante Gebäude, das von Anfang an immer im Besitz der Steiner Turngesellschaft war. Zusammen mit dem direkt daneben liegenden Sportgelände ist es für den rund 1.100 Mitglieder zählenden Verein der Dreh- und Angelpunkt seiner Aktivitäten, Veranstaltungen und Angebote. „Hier kommen Generationen von Sportlern zusammen“, sagt Manuel Roser, der sich den Vorsitz des Vereins mit Peter Ketterer teilt und weiß, dass die Halle von Montag bis Samstag durchgängig belegt ist, oft vom frühen Nachmittag bis kurz vor 22 Uhr. Ketterer schätzt, dass dort jede Woche um die 15 Gruppen trainieren: vom Eltern-Kind-Turnen bis zu Pilates, von den Fitness-Kursen bis zur Seniorengymnastik. Hinzu kommen einige, die in den Saal des Feuerwehrhauses und in die neue Sporthalle der Heynlinschule ausweichen, weil die Kapazitäten in der Festhalle nicht ausreichen.
Eigentlich hätte die TG Stein schon voriges Jahr den 100. Geburtstag der 1925 erbauten Halle feiern können. Doch der Verein hat sich bewusst dazu entschieden, damit zu warten, bis die umfangreichen Sanierungsarbeiten am Sportgelände abgeschlossen waren. „Man muss die Feste feiern, wie sie fallen“, sagt Roser, der sich schon jetzt auf das Jubiläumsfest freut. Steigen soll es am Freitag, 17. Juli, ab 17 Uhr unter anderem mit Livemusik von den „Kirchbergern“ um Marius Neumann, Barbetrieb und Bewirtung. Gefeiert wird bei gutem Wetter im Freien, in unmittelbarer Nähe der Halle, in der Roser „ein zentrales Element nicht nur für den Verein, sondern für das gesamte Dorf“ sieht. Denn neben dem Sportbetrieb stellt die TG Stein dort zahlreiche Veranstaltungen auf die Beine, etwa die internen Weihnachtsfeiern und die Turngala zum Jahresabschluss. Aber es gibt auch Veranstaltungen anderer örtlicher Vereine wie vor kurzem den Festakt zum 40-jährigen Bestehen des sozialen Trägers „Miteinanderleben“.
Früher war in der Halle sogar noch mehr los, etwa bei Abendunterhaltungen, Konzerten, Theater- und Musicalaufführungen, Tierausstellungen und Faschingsbällen. Ältere erinnern sich noch an die geselligen Tanzveranstaltungen, die es fast jedes Wochenende gab. Nach Vorliegen der entsprechenden Baupläne und Genehmigungen wurde die Halle ab 1925 errichtet, mit Steinen, die aus dem Steinbruch am Schalkenberg stammten. 150 Kubikmeter brauchte man für Fundament und Sockelmauerwerk, mehr als 90 Kubikmeter Bauholz, Latten und Bretter kamen größtenteils von der Grenzsägemühle. Um die 20.000 Backsteine, rund 10.000 Doppelfalzziegel und viel Glas wurden verarbeitet, teilweise sonntags und spät abends bei künstlichem Licht. In den Annalen des Vereins heißt es, dass der Turnbetrieb durch den Bau der Halle „einen ungeheuren Aufschwung“ erlebte.
Doch er hielt nicht lange an. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste nicht nur der zwischenzeitlich zwangsaufgelöste Verein neu aufgebaut werden, sondern auch die Turnhalle, die sich einem desolaten Zustand befand, nicht zuletzt wegen der Bomben, die auf dem nahegelegenen Sportplatz eingeschlagen waren. 1956 wurde innen renoviert, 1959 folgte eine Luftheizung mit Warmwasserversorgung für die Dusche. Weil die Halle nicht mehr den modernen Anforderungen genügte, begannen 1997 umfangreiche Umbau- und Renovierungsarbeiten, etwa durch die Umgestaltung des Eingangsbereichs, durch den Neubau der Eingangstreppe, durch neue Toiletten und eine großzügige Garderobe, durch neue Schallschutzfenster und eine Vergrößerung der Bühne. Peter Ketterer weiß, dass die Halle voller Erinnerungen steckt: an hartes Training und sportliche Erfolge, aber auch an Kameradschaft, Freundschaft und gesellige Stunden.
Der Vorsitzende hat den Eindruck, dass sich die Mitglieder mit dem Verein und der Halle identifizieren. Deswegen war es auch nicht schwer, ehrenamtliche Helfer zu finden, als es darum ging, das Sportgelände zu sanieren und zu modernisieren. „Auf diesen Zusammenhalt sind wir sehr stolz“, sagt Ketterer: „Was wir in Eigenleistung machen konnten, haben wir auch gemacht.“ Er denkt dabei an die Flutlichtanlage, aber auch an die Küche und an das Clubhaus, das 1969 angebaut wurde. Seit Ostern haben Experten das Dach der Halle nicht nur neu gedeckt und stabilisiert, sondern auch mit einer Dämmung ausgestattet, die künftig die Heizkosten senken soll. Sowohl im Inneren als auch im Außenbereich setzt man auf LED-Beleuchtung, die sich leichter regeln lässt und Energie spart. Roser sieht in der umfangreichen Sanierung „einen Meilenstein in der Geschichte des Vereins“ und hofft, dass die Liegenschaften damit für die nächsten Jahrzehnte gewappnet sind. Er freut sich nicht nur über das große Engagement der Ehrenamtlichen, sondern auch über Zuschüsse von der Gemeinde, vom Badischen Sportbund und vom Bund. – Nico Roller